Was ist die IVPA?

Was misst die IVPA?

Obwohl die Persönlichkeit eines Menschen einzigartig und unverwechselbar ist, lassen sich Präferenzen erkennen: Woher nimmt der Mensch seine Energie (I/E), wie nimmt er seine Umwelt wahr (S/N), wie trifft er auf Basis des Wahrgenommenen seine Entscheidungen (T/F) und welchen Lebensstil pflegt er (J/P). Die IVPA misst diese zeitstabilen Persönlichkeitsmerkmale, ermöglicht Rückschlüsse auf implizite Wahrnehmungssysteme und Entscheidungsstrukturen und klassifiziert diese.

Die IVPA misst keine Intelligenz oder Motivation!

Von den Skalen zum Typencode

Maßgeblich für die Bestimmung des persönlichen Typencodes ist die Dimension einer Skala, für die das größte Potenzial gemessen wurde. Identifizieren wir die am stärkste ausgeprägte Dimension, so entsteht ein Vier-Buchstaben-Code: der Typencode.

Was sagt uns der Typencode genau?

Die erste Persönlichkeitsskala

Sie definiert Ihre Einstellung zur Außenwelt und wird durch zwei Ausprägungen definiert. E steht für Extraversion, I für Introversion. Die Skala gibt Auskunft darüber, wie Sie Ihre Energie tanken, wohin Sie Ihre Aufmerksamkeit lenken (nach außen oder innen).

Extraversion (E): Menschen mit einer Präferenz zur Extraversion haben eine nach außenorientierte Einstellung zur Welt. Ihre Aufmerksamkeit ist vorwiegend auf die gegenwärtige, äußerliche Situation gerichtet. Sie sind in gesellschaftlichen Situationen gelassen und fühlen sich dort wohl. Sie sind gern aktiv und beziehen ihre Energie zum Beispiel aus Gesprächen mit anderen Menschen, sind überschwänglich und vielseitig in ihren Interessen. Sie sind handlungsorientiert und neigen zu spontanen, schnellen Reaktionen. Häufig arbeiten sie gern in Gruppen und schätzen eine offene, temporeiche, flexible und ausdrucksvolle Kommunikation.

Introversion (I): Menschen mit einer Präferenz zur Introversion haben eine eher innenorientierte Einstellung zur Welt. Sie beziehen ihre Energie aus der inneren Reflektion und eigenen Verarbeitung von aufgenommenen Eindrücken und gemachten Erfahrungen. Introvertierte Personen zeichnen sich durch ein eher geduldiges, kontrollierendes und vorsichtiges Verhalten aus. In gesellschaftlichen Situation sind sie eher reserviert und zurückhaltend. Sie arbeiten lieber alleine oder in kleinen Gruppen. Erfolge werden mehr durch Ausdauer, Selbstdisziplin, Konzentration und Pflichterfüllung, als durch kurzfristige Höchstleistungen erreicht. Introvertierte Menschen mögen Privatsphäre und haben gern Zeit für sich. Sie haben ein intensives und tiefergehendes Interesse an den Dingen.

Die zweite Persönlichkeitsskala

Diese verdeutlicht Ihre Wahrnehmungspräferenz. S steht für Sensing und N für Intuition. Der Buchstabe gibt Auskunft darüber, wie Sie Ihre Umwelt wahrnehmen.

Sensing (S): Menschen mit einer Präferenz zum Sensing besitzen eine präzise Wahrnehmung von Details und Daten und gehen in der Regel sehr strukturiert vor. Sie gehen nach harten Fakten und Erfahrungen. Dabei haben Sensing-Typen ein Auge fürs Detail und eine scharfe Beobachtungsgabe. Unstimmigkeiten erkennen sie schnell. Prozesse bewältigen sie Schritt für Schritt in einer für sie gewohnten und konventionellen Art und Weise. Ihre Präferenz in der Wahrnehmung ist realistisch, praktisch und konkret. Sie realisieren die Dinge, wie sie sind, nicht wie sie sein könnten und leben die aktuellen Herausforderungen des Lebens.

Intuition (N): Die Menschen mit einer Präferenz zur Intuition hingegen denken eher global. Anstatt sich auf Details zu konzentrieren, sehen sie das große Ganze. Sie leben von der nach innen gerichteten Inspiration. Schon aus wenigen Informationen erkennen sie Muster und Zusammenhänge. Sie besitzen eine intuitive, ganzheitliche, abstrakte, innovative und unkonventionelle Wahrnehmung. Häufig geht diese einher mit der Fähigkeit, kreativvisionäre Ideen zu bilden und künftige Potentiale zu erkennen. Dabei halten sie sich an Konzepte und mentale oder geistige Darstellungen. Sie mögen Wandel und Veränderungen und sehen die Dinge, wie sie sein könnten.

Die dritte Persönlichkeitsskala

Sie zeigt Ihre Entscheidungspräferenz. T steht für Thinking, F für Feeling. Sie erteilt Auskunft darüber, in welcher Form Sie über das Wahrgenommene entscheiden.

Thinking (T): Menschen mit der Präferenz für das Thinking bevorzugen eine objektive Betrachtung der Dinge. Die Bedeutung der Logik liegt über der Ansicht oder Meinung. Bevor Sie handeln, analysieren Sie gründlich und setzen dabei auf logisch-konsequente, rationale, kritisch-prüfende und harte Entscheidungskriterien. Sie argumentieren als Thinking-Typ eher rational aufgrund von Ursache-Wirkungs-Prinzipien. Sie treffen ihre Entscheidung aufgrund von logisch-analytischen Zusammenhängen. In einem Prozess gehen sie präzise, rational und Schritt für Schritt vor und entscheiden mit dem Kopf. Ihr Handeln ist planvoll und prinzipiengeleitet. Als Thinking-Typ sehen sie die Welt, wie sie sein müsste, wenn alles logisch und vernünftig wäre.

Feeling (F): Personen, bei denen die Dimension Feeling stärker ausgeprägt ist, bevorzugen eine subjektive, ganzheitliche Sicht der Dinge. Der Wert der Meinung und eigenen Ansicht steht vor der Logik. Entscheidungen treffen sie auf Basis von Wertvorstellungen, Überzeugungen, eigenen Erfahrungen, Bedürfnissen und Zielen. Sie sind in der Lage, eine Fülle von Informationen in ihre Entscheidungen zu integrieren, folgen ungern engen Plänen, sind einfallsreich und empathisch. Sie sind mehr interessiert an Menschen und Werten, sind persönlich-einfühlsam und verständnisvoll. Als Feeling-Typ sehen sie die Welt, wie sie sein sollte, wenn alle sich gegenseitig akzeptierten. Diese Dimension liefert eine wichtige Voraussetzung für werteorientiertes und ausgleichendes Verhalten.

Die vierte Persönlichkeitsskala

Sie stellt Ihre Neigung zur Kontinuität dar. J steht für Judging und P für Perceiving. Sie gibt Auskunft darüber, welchen Lebensstil Sie bevorzugen und wie groß ihr Sicherheitsbedürfnis ist.

Judging (J): Judging-Typen bevorzugen eine strukturierte, zielorientierte Vorgehensweise mit einem festen Plan und festen Regeln. Sie bevorzugen abgeschlossene Handlungen und definierte Schlussfolgerungen. Für sie steht in einem Prozess das Ziel im Fokus und sie begeben sich auf direktem Wege dorthin. Sie planen gerne im Voraus und ziehen einen organisierten Lebensstil vor. Einmal getroffene Entscheidungen setzen sie entschlossen um. Das vermittelt ihnen Sicherheit. Sie verstehen und sehen die Notwendigkeit vieler allgemeiner Regeln in der Gesellschaft. Judging-Typen haben oft ein entsprechend ihrer Dimension ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis.

Perceiving (P): Perceiving-Typen sind in ihrem Verhalten flexibel, spontan und genießen den Prozess an sich. Sie integrieren immer wieder neue Informationen und können mit Veränderungen gut umgehen. Sie stoßen dabei gern auf Unbekanntes und lassen sich überraschen. Für sie ist der Weg das Ziel, von dem sie sich auch gern mal abbringen lassen, wenn sich ihnen eine andere Möglichkeit eröffnet. Perceiving-Typen halten sich gerne die Dinge offen und haben oft ein entsprechend ihrer Dimension weniger ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis.

Wie setzt sich der Typencode zusammen?

Die Kombination dieser Skalen ergibt die Typenprofile, die, je nach Ausprägungen, zu unterschiedlichen Verhaltensmustern führen.

Die Amplitude ist das Maß für das Potenzial auf einer Skala. Dargestellt wird die Amplitude über die Balkenlänge. Je länger ein Balken, desto typischer ist das Verhalten für die Person. Ihr Typencode entspricht der jeweils größten Ausprägung auf einer Skala. Der höhere Wert entspricht dabei Ihrer Präferenz.

Jeder Mensch hat jedoch eine gewisse Flexibilität, was die Wahl seiner psychologischen Arbeitsmittel angeht. So kann z.B. die Art, wie er seine Entscheidungen trifft oder sich sein Leben organisiert, variieren. Der jeweils kürzere Balken zeigt Ihnen, inwieweit es Ihnen möglich ist, auch die Potentiale der jeweils gegenüberliegenden Dimension zu nutzen. Er macht deutlich, in welchem Umfang Sie die Möglichkeit haben, die Verhaltensmuster Ihres Typs zu verlassen, um eine andere Perspektive einzunehmen und alternative Handlungsmuster zu nutzen, wenn es die Situation erfordert. Je geringer die Ausprägung, umso mehr Anstrengung erfordert es, das entsprechende Denk- oder Entscheidungsverhalten zu nutzen.

Es kommt gleichwohl vor, dass die Werte von zwei nebeneinanderstehenden Dimensionen dicht beieinanderliegen (z.B. S 85, N 73). In diesem Fall fällt es Ihnen leicht, Ihre typischen Verhaltensmuster zu verlassen und die Perspektive der gegenüberliegenden Dimension einzunehmen.

Wenn die Werte der gegenüberliegenden Dimensionen weniger als 15 Prozent auseinanderliegen (z.B. S 85, N 76), ist eine Zuordnung zu einer Dimension nur bedingt möglich. Vielmehr besitzen Sie die Flexibilität, beide Dimensionen nahezu präferenzlos als Arbeitswerkzeug einzusetzen.

Gütekriterien

Skalenentwicklung

Mit drei unterschiedlichen Stichproben (N=1.508; N=1.985, N=2.873) wurden Faktorenanalysen durchgeführt, die eine nahezu identische Faktorenstruktur ergaben. Es wurden nur Items mit Korrelation zum Faktor über .50 und die auf keinen anderen Faktor höher als .30 laden verwendet. Dies ergibt eine statistische Unabhängigkeit und eine hohe interne Konsistenz der erfassten Skalen.

Reliabilität

Die interne Konsistenz der Skalen liegt zwischen Cronbachs Alpha=.70 und Cronbachs Alpha=.86. Retest-Reliabilitäten liegen bei r=0.70 und r=0.91 für den Zeitraum von 6 Monaten.

Validität

Um zu erkennen, ob die IVPA als impliziter Test valide misst, wurde er mit dem Myers-Briggs-Typenindikator verglichen. Die Korrelationen liegen zwischen r=.30 und .50.

Normen

Es gibt eine Normstichprobe N=16.108 mit einer Verteilung „männlich“=8054 und „weiblich“=8054.


Die IVPA wurde nach Prinzipien der Designtheorie und der klassischen Testtheorie auf Basis der Forschungen von Prof. Dr. David Scheffer, Dr. Alexander Ribowski, Dieter Loerwald und Bernhard Mikoleit entwickelt.